Dieser Blog macht auf unbestimmte Zeit Pause.
Kunstfehler
Man sollte niemals zu einem Arzt gehen, ohne zu wissen, was dessen Lieblingsdiagnose ist! -Irren ist Ärztlich-
30 April, 2012
13 März, 2012
20 Februar, 2012
Resignation?
Langsam wird's gefährlich! So kenne ich mich gar nicht, obwohl die letzte Phase hatte ich während des Studiums, als ich vor lauter Arbeit und Studium den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen konnte. Damals sind wir umgezogen, haben quasi ein Tapetenwechsel durchgezogen und der war mehr als hilfreich und lebensrettend.
Dieses Mal: bekomme ich den Arsch nicht mehr hoch, das Loch ist so tief, dass ich das Gefühl habe, nicht mehr rauszukommen. Es fühlt sich an wie 45°C Fieber (ich weiß, das ist unwahrscheinlich) und man muss schwitzend und völlig dyspnoeisch die Treppe hoch gehen. Jeder Schritt eine Qual, es tut weh und man fragt sich immer wieder: warum? Wozu?
Wenn man drei Monate fast täglich Elfmeter kassiert, resigniert man halt.
Kann mich mal jemand schuppsen, in die richtige Richtung? Oder eine lange Strickleiter reinwerfen?
08 Februar, 2012
5 Elfmeter in 90 Minuten, besser als manches Fußballspiel
1:0 Frau Kunstfehler, warum kommen Sie 5 Minuten zu spät? Rechtfertigen Sie sich sofort!
2:0 Frau Kunstfehler, den Brief müssen Sie nochmal neu überarbeiten, es geht nicht, dass Sie schreiben, dass die Rettungsstelle sinngemäß alles verzapft hat. Was sollen denn die Kollegen denken?!
3:0 Frau Kunstfehler, denken Sie doch mal strukturiert, denken Sie doch mal nach!
4:0 Frau Kunstfehler, wie Sie sicherlich wissen, besitze ich einen Dr.med, so viel Zeit muss sein!
5:0 Frau Kunstfehler, wir schreiben hier keine Handelsnamen in die Briefe, sondern Wirkstoffe, das sollten Sie langsam mal wissen.
Das alles in den ersten 90 Minuten nach Eintreffen auf Arbeit. So schön kann der Morgen beginnen! Mir klingeln immernoch die Ohren.
2:0 Frau Kunstfehler, den Brief müssen Sie nochmal neu überarbeiten, es geht nicht, dass Sie schreiben, dass die Rettungsstelle sinngemäß alles verzapft hat. Was sollen denn die Kollegen denken?!
3:0 Frau Kunstfehler, denken Sie doch mal strukturiert, denken Sie doch mal nach!
4:0 Frau Kunstfehler, wie Sie sicherlich wissen, besitze ich einen Dr.med, so viel Zeit muss sein!
5:0 Frau Kunstfehler, wir schreiben hier keine Handelsnamen in die Briefe, sondern Wirkstoffe, das sollten Sie langsam mal wissen.
Das alles in den ersten 90 Minuten nach Eintreffen auf Arbeit. So schön kann der Morgen beginnen! Mir klingeln immernoch die Ohren.
06 Februar, 2012
Der Bus
Es gibt Tage, an denen geht man mit einer gewissen Vorahnung zur Arbeit. So wie letztes Wochenende. Auf unserer ITS liegen wirklich die schwerstkranken Patienten unseres Krankenhauses und es ist für mich immer noch ungewohnt, diese, wenn es Zeit ist, gehen zu lassen, d.h. sie sterben, sie schlafen ein, sie sind tot. Im Studium wurde ich damit selten konfrontiert, im Praktischen Jahr habe ich auch mal reanimiert, gestorben ist ganz selten einer. Man bekommt es auch nicht beigebracht, wie man mit Sterbenden umgehen soll. Es ist anders, als wenn ein Verwandter, ein Freund, ein Mentor stirbt. Die Gefühle sind so wechselhaft. Man fragt sich, ist man selbst schuld, hat man was übersehen, ist das der normale Verlauf, wenn ein 85jähriger eine Lungenentzündung nicht übersteht, ist es sogar Schicksal? Mit dem letzteren Punkt mag ich mich persönlich nicht so anfreunden, denn ich bin Atheist, glaube ich, aber manchmal:
Ein Patient kam anfang Januar zu uns, ein Freizeitmusiker, stand mitten im Leben, hatte viel zu arbeiten. Aus einer banalen verschleppten Erkältung wurde eine schwere Lungenentzündung, dann ein sehr schweres Lungenversagen, eine Sepsis, die ich so eindrucksvoll noch nie gesehen hatte. Durch kleine Mikroembolien wurden einzelne Finger schwarz, mumifizierten, für einen Musiker ein Graus. Die Nieren versagten, er musste an die Dialyse, die Leber war auch nicht mehr intakt, die Blutgerinnung wurde schlechter. Ein sogenanntes Multiorganversagen. Er lag insgesamt 5 Wochen bei uns, davon 4 Wochen im Schaukelbett (hier ein Beispielbild), eine Woche dazwischen ohne. In der Woche dachten wir auch, dass er übern Berg sei. Aber dann musste er erneut ins Schaukelbett. Letzten Samstagvormittag sah es so aus, als ob er es doch packen könnte. Wir riefen die Familie an und sagten, dass es noch nicht gut aussehe und sie vielleicht dazu kommen sollten, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Zeitgleich lag eine andere Patientin im Nachbarzimmer im Sterben -wie wir immer sagen: sie ist in die Zielgerade eingebogen. Ein schwerer Fall von akuter Pankreatitis, wer dieses Krankheitsbild etwas kennt, weiß wie schlimm es ist. Es war nur eine Frage von Stunden, sodass wir die Familie anriefen, damit sie sich verabschieden konnten. Patient Nummer 3 quälte sich mit einem Lungenkarzinom, er hatte eigentlich eine Patientenverfügung, in der er alles ablehnte, doch mit seinem letzten bewußten Atemzug sagte er klar und deutlich zum Notarzt, dass er intubiert werden möchte. Nun lag er da, seit drei Tagen und ließ sich von der Maschine beatmen.
Der erste Patient verstarb unglaublich schnell und fast unerwartet am Mittag, die zweite Patientin zur Kaffeezeit, nachdem die Angehörigen sich verabschiedeten, der dritte Patient schlief im Schlaf ein, nachdem die Ehefrau den Wunsch äußerte, dass er in Ruhe schlafen solle.
Das waren drei an einem Tag.
Im Dezember hatten wir eine Woche, in der wir viele Patienten mit Lungenversagen und Pankreatitis verloren. Insgesamt waren es sieben an der Zahl. Sicherlich alle alt, aber SIEBEN! Es war, als hätte einer einen Bus bestellt (7 plus Fahrer), es war unheimlich und zermürbend. Bei einigen war man froh, dass sie friedlich eingeschlafen sind, "es geschafft haben", bei anderen fragt man schon "warum?".
Aber manchmal: Manchmal pflegt und therapiert man monatelang Patienten, sieht, wie sie an ihr Leben förmlich hängen, wie schlecht es ihnen geht und dann geht es bergauf, erst in kleinen Schritten, dann größere und dann plötzlich nach wochenlangen "künstlichen Koma" drücken sie einem die Hand, öffnen die Augen, werden wacher und grinsen einen in der Visite morgens an, fangen an allein zu atmen, zu essen, zu kommunizieren. Sie gucken blöde Fernsehsendungen, schäkern mit uns rum, werden aus dem Bett "geworfen" und wenn das Stadium erreicht ist, werden sie in die Reha gebracht. Manche kommen wieder, zu Fuß, mit dem Rollator, auf eine Tasse Kaffee, zum kleinen Plausch in der Küche, erzählen, wie es ihnen geht. Das ist schön! Und das versuche ich mir dann immer vor Augen zu halten.
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